Meine Reise


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Montag, 23. Februar 2009

Als Backpacker…

…darf man zwar nicht wählerisch sein…
…aber wehren sollte man sich schon!
Während ich weiterhin glücklich und zufrieden für Lex, meinen neuen Contractor, arbeitete, wartete ich schon gespannt auf Samstag. Denn an diesem Tag sollte Methew, mein alter Arbeitgeber, den Lohn für die vorherige Woche überweisen. Auch wenn es mich wenig überraschte, so versetzte es mich doch in Rage: Anstatt den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn zu zahlen, hatte er die angekündigten 10 Cents pro Pflanze überwiesen! Für die 26 Stunden, die ich für ihn gearbeitet habe, hätte er mir 269,57 NZD bezahlen müssen. Auf meinem Konto fand ich dagegen 192,70 NZD von ihm. Ähnlich sah es bei Eduardo und Clodagh aus, die beide für ihn gearbeitet hatten und in meinem Hostel wohnen. Nachdem wir uns abgesprochen und alle zahlen gecheckt hatten riefen wir ihn an. Natürlich stritt er alles ab und behauptete, wir hätten nicht so viele Stunden für ihn gearbeitet. Da wir aber nicht locker ließen, versprach er seine Zahlungen zu überprüfen und sich am Sonntag wieder zu melden.
Da ich von Sonntag bis Donnerstag Blenheim verlassen habe (dazu später mehr) und Methew sich immer noch im Recht fühlte (odes es zumindest vorgab), vereinbarte Clodagh mit ihm, dass wir Donnerstag zu ihm kommen würden um alles zu besprechen.
So machten Clodagh und ich uns dann am Abend zu ihm auf, während Eduardo es vorzog im Hostel zu bleiben, da er meinte mit seinen geringen Englischkenntnissen nichts ausrichten zu können. Methew versuchte sich mit den gleichen Begründungen, wie schon am Samstag herauszureden. Er versuchte sogar uns ein schlechtes Gewissen einzureden, indem er versprach seinen Vorarbeiter, einen armen Iraker und Kriegsflüchtling, zu entlassen, weil er an allem Schuld sei, falls wir tatsächlich mehr Geld bekommen sollten. Schlussendlich vertröstete er uns auf den nächsten Tag, weil er sich zunächst mit seinem Anwalt beraten müsste.
Unglaublich aber wahr: Am Freitag hatte Clodagh sogar 4$ mehr als das geforderte Geld auf ihrem Konto. Ich konnte am Samstag immerhin nur einen Dollar weniger als gefordert vorfinden. Nur Eduardo ging lehr aus. Dafür kann er nun aber Methew beim Department of Labour anzeigen, was er wohl am Montag versuchen wird – mit freundlicher Unterstützung unserer Hostel-Mutter Jelka, die uns immer mit Rat und Tat zur Seite steht.
Schlussendlich scheint es sich also wirklich gelohnt zu haben, dass wir für unser Geld gekämpft haben. Vor allem hoffe ich, dass Methew in Zukunft genauer darauf achtet, wie er Backpacker bezahlt!

Doch nun vom stressigen zum angenehmen Teil, vom Nervigen zum Relaxten, von Blenheim nach Christchurch:
Sonntagvormittag packte ich seit langem einmal wieder meine Sachen zusammen und machte mich mit einen „Christchurch-Schild“ bewaffnet trampender Weise Richtung Süden auf. Erschwert wurde mir das ganze allerdings durch die Spuren, die die vorangegangene Nacht hinterlassen hatte: Steffen und Sven hatten sich nämlich mittlerweile ebenfalls in Blenheim eingefunden und so stürzten wir uns zusammen mit einigen anderen Backpackern aus meinem Hostel ins Nachtleben der Weinmetropole. An dieser Stelle lasse ich wohl am besten einfach ein paar Punkte stehen … ;-)
Trotzdem gelang es mir relativ einfach freundliche Kiwis zu finden, die mich mitnahmen. Geschockt war ich allerdings, als mir mein erster Fahrer erzählte, dass er eigentlich gar keinen Führerschein mehr hat, weil die Polizei ihm den selbigen abgenommen hat.
Dennoch erreichte ich wohlbehalten die inoffizielle Hauptstadt der Südinsel und fühlte mich gleich wohl, dank eines herzlichen Empfangs: Anna und ich hatten beschlossen ihre letzte Tage in Neuseeland gemeinsam in Christchurch zu verbringen und netter Weise hatte sie sich schon um alles gekümmert und das Essen schon fast auf dem Tisch als ich ankam :-) !
In den folgenden Tagen machten wir die Stadt unsicher, schwelgten in Erinnerungen an unser Reisen - aber auch an unsere Mutterstadt und die Leute, die daheim auf uns warten. Das war schon ein komisches Gefühl: Mir wurde zwar bewusst, wie viel ich in diesem wunderbaren Land schon erlebt habe, aber auch, dass ich hier nicht ewig bleiben werde und dass das auch gut so ist. Denn ich vermisse einfach vieles, was ich all die Jahre einfach als völlig normal hingenommen habe – nicht nur, aber natürlich auch den Komfort ;-). Doch auch ganz simpel mein Heimatland - oder zumindest Europa, mit all seinen Vorzügen, die man wohl erst am anderen Ende der Welt schätzen lernt und vieles, vieles mehr…

Anna und ich hatten eine wunderschöne Zeit, die uns auch das überwiegend nass-kalte Wetter nicht vermiesen konnte. Shoppen stand genauso auf dem Programm wie die eindrucksvollen botanischen Gärten, ein chinesisches Lampionfest, klassisches Sightseeing und natürlich ein Car-B-Q mit fast allen Hostelbewohnern. Nein, das ist kein Tippfehler, sondern eine geniale Idee des autoverrückten Inhabers des gemütlichen Hostels, dass Anna für uns gebucht hatte :-). Als besonderer Bonus kam dann auch noch Per gerade nach Christchurch.
Doch auch die schönste Zeit ist irgendwann vorüber: Am Donnerstag ging Annas Flieger nach Australien, wo sie nun noch einige Tage verbringen wird, bevor sie in unsere geliebte Neckar-Metropole heimkehren wird.
Anna, ich möchte dir noch einmal dafür danken, dass du sowohl deine ersten als auch deine letzten Tage in Neuseeland mit mir verbracht hast! Ich finde beide Male war es wirklich eine hammer Zeit, an die ich mich immer gerne erinnern werde!

Zurück in Blenheim, konnte ich zwar wegen des schlechten Wetters nicht wie beabsichtig direkt weiterarbeiten, dafür war es aber ein Gefühl des „Heimkommen“, als ich die Stadt und vor allem das Hostel erreichte. Ich habe hier einfach schon so viel Zeit verbracht, wie an keinem anderen Ort in Neuseeland und fühle mich ausgesprochen wohl bei den netten Backpackern, die in meinem Hostel wohnen. Das tröstet auch - zumindest jetzt noch - über die eingeschränkten Möglichkeiten in Blenheim hinweg. Die Stadt ist einfach relativ klein, nicht sehr schön und hat kaum Freizeitangebot.

Umso mehr freut man sich dann aber über nette Abende, wie z.B. unser kleines Grillfest am Freitagabend.

Zum Rest meines Wochenendes und zur sehnsüchtig erwarteten Plackerei im Weinfeld gibt es bald mehr.
Bis dahin gibt es aber wieder einmal ein paar neue Bilder. Viel Spaß beim Anschauen!

Mittwoch, 11. Februar 2009

Wie auskommen ohne Einkommen ?!?

Der Urlaub kann ja schließlich nicht ewig weiter gehen.
Deswegen war es mein Plan, auf der Südinsel so schnell wie möglich Arbeit zu finden.

Durch den Flyer einer Jobagentur angeregt, versuchte ich in Nelson per Telefon arbeit zu finden. Hier gab es allerdings erst etwas ab dem 18. Februar. Also versuchte ich mein Glück in Blenheim, einem bekannten Weinort. Die Hostel werben hier sogar damit, einem Arbeit vermitteln zu können.
Leider war es aber nicht einfach ein Bett in einem der Hostel zu ergattern, da bereits die meisten von anderen Arbeitern belegt waren. Schließlich sagte mir das "Honey-B-Hostel" ein Bett ab dem 1. Februar zu.

So verbrachte ich noch zwei Nächte in Picton. Die Zeit nutze ich nicht nur zum Relaxen nach meinem Wellington-Aufenthalt, sondern auch zum Schwimmen und für eine kleine Küstenwanderung in den wunderschönen Marlborough Sounds.

Am Sonntag machte ich mich voller Hoffnung auf Arbeit nach Blenheim auf. Und tatsächlich erhielt ich vom Hostelinhaber die Telefonnummer eines Arbeitgebers namens Methew. Dieser machte zwar am Telefon nicht den besten Eindruck auf mich, hatte dafür aber Arbeit in den Weinfeldern für mich. Als Backpacker darf man nun einmal nicht sehr wählerisch sein.

Mein erster Arbeitstag begann dann auch gleich einmal damit, dass mein Arbeitgeber mich 20 Minuten zu spät abholte - ohne ein Wort der Entschuldigung…
Vor einem anderen Hostel warteten wir dann noch einmal eine gute halbe Stunde, bis endlich klar war, in welchem Weinfeld wir eigentliche arbeiten werden. Dort hatte ich dann eine unglaublich „intensive“ Einweisung (5 Minuten) und los ging’s: Weinstock nach Weinstock, den ganzen Tag.
Am Ende des Tages erfuhr ich schließlich
auch die Details zur Bezahlung: 10 Cent pro Pflanze (an jeder Pflanze musste ich 10 Rispen abschneiden). Auf den Tag hochgerechnet ist das leider gar nichts. Dafür gibt es in Neuseeland allerdings einen Mindestlohn von 12$ die Stunde, der in jedem Fall gezahlt werden muss, zuzüglich eines Urlaubsaufschlags von 8%, da man als Saisonarbeiter keinen bezahlten Ferientage in Anspruch nehmen kann. Nach aktuellem Wechselkurs erhält man dann etwa 4,50 € - von denen dann noch einmal ca. 20% Steuern abgezogen werden. Als Backpacker darf man nun einmal nicht sehr wählerisch sein.
Meinen Vertrag bekam ich übrigens erst am Freitag und auch nur nach mehrmaligem Nachfragen. Professionalität ist etwas anderes!

Das einzig wirklich Gute waren meine Kollegen. Über diese kam ich dann auch dazu mein Hostel zu wechseln. Denn das Honey-B war leider nicht gerade ein Traum von Hostel. Es fehlte vor allem an Atmosphäre.
So zog ich am Sonntag zusammen mit einem Südkoreaner, der in meinem Zimmer war, in das „Station Backpacker“ um. Das Beste an diesem Hostel war, dass die Schweizerin, die es betreibt, mir einen Job bei einem anderen Contractor (wie sich die Arbeitgeber, die für die Weinbauern arbeiten hier nennen) verschaffte. Nicht nur, dass Lex, wie mein neuer Chef heißt, mir von anderen Backpackern empfohlen wurde, er bezahlt auch etwas besser – unglaubliche 13$ plus die üblichen 8%.

Am Sonntag nahm ein netter Kollege und Kiwi namens Rhys Clodagh (Irin), Eduardo (Chilene) und mich (ich ;-P ) auf einen kleinen Trip durch die Gegend mit. Neben Fotos machen, Landschaft genießen und Schwimmen stand auch ein leckeres Picknick am Strand auf dem Programm.

Die Arbeit am nächsten Tag gefiel mir auf Anhieb besser: netter und pünktlicher Chef, einen sauberen Arbeitsvertrag gleich am ersten Tag, strukturierte Einweisung - einfach professionell.
Am ersten Tag musste ich Netze über schon fertig präparierte Weinstöcke spannen, um die Vögel abzuhalten. Gestern und heute war es meine Aufgabe Blätter und Trauben abzuschneiden und somit die Pflanzen auszudünnen und Fäule zu verhindern. Außerdem fließen somit viel mehr Energie und Nährstoffe in die verbliebenen Trauben, die deshalb größer und besser wachsen.

Ich bin wirklich sehr glücklich einen anderen Arbeitgeber gefunden zu haben. Die Frage ist nur, wie lange er mich noch beschäftigen kann. Denn da die Trauben nun zum Großteil nur noch in Ruhe wachsen müssen, wird die Arbeit langsam rar.

Aber als Backpacker darf man nun einmal nicht sehr wählerisch sein ;-) !
Dieses Bild und viele andere gibt es hier

Montag, 2. Februar 2009

Nehmt Abschied Brüder...

von was verrate ich aber noch nicht.
Dafür verrate ich euch, in welches Hostel ihr unbedingt einmal gehen solltet, falls ihr nach Neuseeland kommen solltet: Die Moana Lodge in Plimmerton, ca. 20 km nördlich von Wellington.
Dieses wunderbare Hostel ist direkt am Meer gelegen und wird von einem unglaublich netten Ehepaar betrieben. Die beiden haben außerdem auch noch einen herrlichen Sinn für Humor, weswegen man überall im Haus lustige Bilder und andere Details findet (siehe Fotoalbum). Es ist einfach ein Ort an dem man sich wohl fühlt!
Eigentlich hatte ich geplant mich hier nur eine Nacht von meinem Wandern zu erholen, aber ich musste einfach eine weitere Nacht bleiben. Besonders toll war, dass hier eine Gitarre an der Wand hing, auf der ich nach Herzenslust spielen konnte. Außerdem traf ich noch einen alten Bekannten wieder: Michel, einen Franzosen den ich in Paihia kennen gelernt hatte und der mich sogar zu sich nach Paris eingeladen hat.

Doch auch wenn es in der Moana Lodge wunder- schön war, zog es mich dennoch nach Süden in die Hauptstadt Neuseelands. Mein großes Glück: Hier konnte ich einen noch älteren (bzw. eigentlich jüngeren) Bekannten wieder treffen. Pasi Roth, der gerade ein Schuljahr in Neuseeland verbringt, wohnt nämlich in einer Gastfamilie in Upper Hut, einem Vorort von Wellington.
Ein britisches Ehepaar, das mit mir in der Moana Lodge gewohnt hatte, nahm mich netter Weise direkt nach Upper Hut mit, weswegen ich mir den Umweg mit dem Zug über Wellington sparen konnte. Dort angekommen nahm mich dann Pasis Gastfamilie für zwei Nächte auf. Die drei sind zwar manchmal etwas verrückt und nehmen einen ständig auf den Arm, sind dafür aber auch nett. Zwar mussten wir ziemlich früh aufstehen, um das Haus mit Pasis Gastvater Gerry zu verlassen, dafür hatten wir dann aber auch mehr Zeit in Wellington, das von Upper Hut problemlos und günstig mit dem Zug erreichbar ist.
Eine kleine Anmerkung an dieser Stelle: Ja der Typ in meinen Klamotten bin ich, war allerdings beim Frisör und es ist etwas kürzer geworden, als ich eigentlich wollte.
Auf dem Programm in Wellington standen dann einige Sehenswürdigkeiten wie die Cable Car (die im Vergleich zu der in San Francisco ehrlich gesagt ein Witz ist), die botanischen Gärten, das Parlament und das Nationalmuseum „Te Papa“. Alles in allem ist Wellington ein schmuckes Städtchen, das mich jetzt allerdings auch nicht gerade vom Hocker gerissen hat.
Meine Meinung von Wellington verschlechterte sich allerdings auch ein wenig durch das City Hostel, in dem ich noch eine Nacht verbrachte: zu groß, zu anonym und irgendwie auch nicht ganz so sauber.

Es war als genau der richtige Moment Abschied zu nehmen. Nicht nur von Wellington und von Pasi, mit dem ich eine tolle Zeit verbracht hatte, sondern von der gesamten Nordinsel. Denn am Freitag nahm ich meine sieben Sachen und checkte auf einem der großen Schiffe ein, die Nord- und Südinsel miteinander verbinden. Ich hatte schon gehört, dass diese Überfahrt schön sein soll, aber sie war einfach nur phantastisch: Man sieht hinter sich erst die „Groß“-Stadt Wellington verschwinden, dann die ganze Nordinsel. Am Horizont meint man bereits die Küste der Südinsel zu sehen…oder ist es doch nur Einbildung? Auf einmal taucht sie auf. Zu erst die Berge, dann erscheint auch die Küstenlinie. Und ehe man sich versieht fährt das Schiff in die fjordähnlichen Marlborough Sounds hinein. Die Landschaft erinnert stark an Skandinavien. Nur die Pinguine, die öfters neben dem Schiff auftauchen passen nicht so recht ins Bild. Nach 3 Stunden legt man dann in Picton an, einem größeren Örtchen, das wohl nur auf Grund des Schiffverkehrs zu dieser Größe angewachsen ist.
Da steh ich nun, ich Armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Denn wie sollte ich nun weitermachen? Seid gespannt auf meinen nächsten Eintrag…