Nach all der Ruhe und Beständig- keit beim WWOOF- en, war es mal wieder Zeit neue Ecken dieses wunder- schönen Landes zu erkunden. Da man ja bekanntlich zu zweit weniger allein ist, ließ ich dazu dann auch noch extra mein Bruderherz einfliegen.Auf dem weg nach Christchurch erlebte ich noch in Blenheim mit einigen der Leute, die ich hier beim Arbeiten kennen gelernt hatte, eine durchfeierte Nacht.
Dermaßen übernächtigt war ich natürlich optimal auf die Ankunft meines Bruders vorbereitet. Denn der kam (mit kurzen Stopps) direkt aus Frankfurt und war daher jetlag-geschädigt. Nach einer gehörigen Portion Schlaf fühlten wir uns dann beide im Stande die Südinselmetropole zu erkunden.
Sehr schnell stellte allerdings auch Markus fest, dass der Reiz Neuseelands nun einmal nicht in seinen Städten begründet liegt. Kein Problem, denn schließlich hatten wir uns auch einiges vorgenommen: Die gesamte Südinsel zu bereisen in knapp drei Wochen!
Mit unserer mini Reisschüssel, einem Toyota Vitz, wollten wir dann schon am Mittwoch hoch hinaus. Aufgehalten wurden wir nur durch Tropfen in unserem Auto. Offenbar war der Gummi zwischen Windschutzscheibe und Dach undicht. Doch echte Abenteurer lassen sich von so etwas nicht aus der Bahn werfen. Deshalb kurz das Auto getauscht und los ging’s.
Immer weiter gen Westen, in die Southern Alps, das Hochgebirge der Südinsel. Auf dem Weg stießen wir auf eine interessante Ansammlung merkwürdig geformter Felsen. Die nutzen wir vor allem zum herumkletttern und Fotos machen.
In "Arthur's Pass" bezogen wir Quartier
in einem kleinen, gemütlichen YHA-Hostel und kämpften uns auf einen der Berge, den „Avalanche Peak“ hinauf, sowie zu beein- druckenden Wasserfällen, den „Devil’s Punchball Falls“.So auf den Geschmack gekommen, wollten wir noch höher hinaus. Da bot sich auf dem Weg nach Süden der Mount Cook und die ihn umgebenden Berge an.
Eins vorneweg: Wir haben überlebt!
Wegen des angekündigten schlechten Wetters entschlossen wir uns dazu, nicht auf einen der Berge zu steigen, da die Aussicht wohl sowieso nicht der Mühe wert gewesen wäre. Stattdessen ließen wir uns auf einen kurzen Trip entlang eines Gletschers ein, An essen Ende stand ursprünglich mal eine Hütte. Da wir allerdings gerne eine Übernachtung in den Bergen wollten, packten wir das Zelt ein und planten die Nacht darin zu verbringen. Der Weg war zwar zunächst eher eintönig und langweilig, bot aber schließlich traumhafte Aussichten auf Neuseelands größten Gletscher, den Tasman Glacier.
Das Zelt war auch schnell aufgebaut und die Dosen-Bohnen gekocht und verputzt.Nach ein paar Stunden Schlaf kam es dann allerdings ganz dick. Starker Wind – oder nennen wir es lieber Sturm – hatte nicht nur die Mehrzahl der Heringe herausgerissen, sondern war auch noch drauf und dran das Außenzelt abzureißen. Ein Zitat aus diesen Stunden: „Solange es nicht regnet, geht es ja noch!“ Ratet einmal, was 30 Minuten später los war. Richtig, es hörte nicht auf zu stürmen und fing dafür aber noch an zu schütten.
Wir versuchten zunächst uns zu behelfen, indem wir das die Zeltstangen herauszogen und das Zelt flacher zu machen und so dem Wind weniger Angriffsfläche zu bieten. Allerdings lag ab jetzt das Außenzelt direkt auf dem Innenzelt auf, welches wiederum direkt auf uns lag. Daher wurde es bald ungemütlich nass. Um 5 Uhr morgens fiel dann unsere Entscheidung, uns und unsere Sachen in den „Shelter“ in Sicherheit zu bringen. Das Zelt beschwerten wir lediglich mit einigen Steinen (es war ja sowieso quasi flach). Dieser Unterschlupf war allerdings nichts weiter als ein fest im Boden verankertes Plumpsklo. Der Vorteil dabei war, dass uns relativ schnell der Appetit verging - aus Gründen, die ich hier nicht näher erläutern will.Nach ein paar Stunden ließ dann zumindest auch der Regen nach. Schnell packten wir das Zelt ein und machten uns auf den Weg Richtung Auto. Einige Kilometer später tauten wir bei einem warmen Tee und trockenen Socken wieder auf. Erfahrungen sind nun einmal dazu da, gemacht zu werden…
Des reisen waren wir natürlich noch immer nicht müde. Daher schwangen wir uns in unser Luxus-Mobil und machten uns weiter Richtung Süden auf.
Oamaru ein kleines Küsten- städtchen stand als nächstes auf dem Programm, bekannt vor allem für seine Pinguin- kolonien. Tatsächlich konnten wir noch am Abend erst einige Gelbaugenpinguine am Strand landen und die steile Küste hinaufwatscheln sehen. Auf dem Weg zu einer der großen Blaupinguinkolonien sahen wir bereits unzählige Exemplare auf einem der Stege im Hafen sitzen und sogar zwei Stück über die Straße spazieren, die wir mit äußerster Vorsicht befuhren. In unserem Hostel waren außerdem noch Schilder angebracht, dass man immer vor dem Start unter seinem Auto nach Pinguinen Ausschau halten sollte. Ich hielt das zunächst für einen Scherz. Doch als wir abends einige Sachen zum trocknen im Hinterhof aufhängten wurden wir von lautem Geschrei gestört. Verursacher waren zwei Blaubpinguine, die sich unter dem Auto neben unserem lautstark unterhielten oder stritten.Wir schafften es zu widerstehen und keinen der Pinguine einzupacken. So machten wir uns nur zu zweit am nächsten Morgen nach Dunedin auf. Schließlich wäre es zu dritt wohl in unserer rollenden Konservendose doch relativ eng geworden.
Unterwegs besuchten wir noch
weiteres Neuseeländisches Naturwunder. Kreisrunde Felsen, die an einem wunderschönen Strand liegen, um unzählige fotografierlustige Touristen anzuziehen. Natürlich konnten auch wir uns das ein oder andere Bild nicht verkneifen.In Dunedin verbrachten wir ausnahmsweise einmal zwei Nächte im selben Bett und hatten auch noch eine einmalige Erfahrung: Ich hatte einen Studenten kontaktiert, der mich einmal beim Trampen mitgenommen hatte und der hier wohnt.
Dieser hat uns beide kurzerhand zu sich zum Essen eingeladen. Nette Menschen, angenehme Konver- sation und ein leckeres Essen – es war einfach ein rundherum schöner Abend. Außerdem war es eine ideale Gelegenheit für Markus einmal mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.Alle weiteren peinlichen Details unseres Tripps verrate ich euch bald.
Zum „Bei-Laune-Halten“ allerdings hier noch ein kleiner Nachklapp. Bevor Markus kam, hatte ich in Motueka etwas Zahnschmerzen bekommen. Natürlich freute ich mich schon wahnsinnig darauf, endlich einmal zum Arzt zu kommen ( ;-P ), schließlich musste sich meine Auslandskrankenversicherung noch lohnen.
Die Rechnung ging aber nicht ganz auf: Nach vielleicht vier Minuten Wartezeit kam ich sofort ins Behandlungszimmer, wo mir mein Arzt in drei Minuten (nach einem kurzen Blick und ein paar Fragen) erklärte, dass mein Zahn durch zu starkes Putzen nur etwas übersensibel geworden wäre, und ihn desensibilisierte. Für das ganze knöpfte mir die Praxis dann 45 NZD ab – das sind umgerechnet etwa 20€!!! Dafür kann man in Deutschland einem Zahnarzt nicht einmal die Hand schütteln! Das einzig schlechte ist, dass sich meine Versicherung nun immer noch nicht gelohnt hat, da der Selbstbehalt bei 50€ liegt. Das nächste Mal werde ich also versuchen mich schwerer zu verletzen ;-). Mit meinem Arzt war ich aber voll zu frieden. Was soll man auch anderes erwarten?!? Schließlich betreibt er gleichzeitig eine kleine Lokalbrauerei, wie ich später erfuhr… So etwas geht eben nur in Neuseeland!
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